Frei, wie
ein Vogel im Wind...
so beschreibt man das Fahren mit einem Ballon.
Samstag, 5. Januar 2002,
13.00 Uhr, Treffpunkt beim Rössle im hohenzollerischen Rangendingen.
Ballonfahrer Heinz Dahlhoff begrüßt seine Gäste und lässt zunächst ein
Luftballon fliegen. Wir erfahren dadurch an welchem Platz die Fahrt los
geht.
Es geht gemeinsam zum Startplatz. Gespannt und
ein wenig unsicher stehen wir Passagiere auf der schneebedeckten Wiese einer
Anhöhe nahe der Rangendinger Mehrzweckhalle. Es es
ist unsere erste Ballonfahrt.
Doch
Dahlhoff macht uns Mut: «Die Technik ist so simpel, dass eigentlich nichts
schief gehen kann», erklärt er. Heiße Luft rein, und schon steige der Ballon
auf. Na dann!
Das Ballonteam
unter der Mithilfe der Passagiere legt die Ballonhülle aus. Danach bläst
Dahlhoff die riesige Stoffmenge per Maschine auf, bis ein rot-blau-weißes,
Bierzelt-ähnliches Gebilde vor uns auf der Wiese liegt. Das Team befestigt
den Korb daran und feuert Propangas in die vordere Öffnung des ovalen
Ballons.
Die heiße Luft tut ihre
Wirkung: Langsam erhebt sich das obere Ende des Ballons.
Das ganze
Gebilde kippt nach vorne, bis es schließlich senkrecht über unseren Köpfen
schwebt. Jetzt
erst erkennt man seine wahre Gestalt: Wir springen in den Korb, Dahlhoff
löst das Seil, und los gehts.
In
Sekundenschnelle entfernen wir uns vom Boden.
Die zwei Helfer des
Ballonführers und die Begleitpersonen, die unten bleiben, und der Jeep des
Teams schrumpfen zusehends zu Zwerg- und Spielzeuggröße zusammen.
Die Wiese
wird kleiner und kleiner.
Nach einigen Minuten ist
bereits der Albtrauf und die Burg Hohenzollern zu sehen.
Die Sicht
ist klar – ein herrlicher Wintertag bei idealen Ballonfahrerbedingungen.
Stetig und ruhig
geht es höher und höher. Nur im Winter sind aufgrund der schwachen Thermik
Starts während des ganzen Tages möglich, wobei es im Korb nicht kälter ist
als am Boden - denn der Ballon läßt sich vom Wind treiben, dadurch ist es
oben nahezu windstill. Im Sommer wird morgens oder spätnachmittags
gestartet.
So erhaben
wie wir in diesen Momenten müssen sich auch die beiden Franzosen gefühlt
haben, die 1783 zum ersten Mal in einem Ballon aufstiegen und damit die
Geschichte der Luftfahrt einläuteten. Den Brüdern Montgolfier war
aufgefallen, dass eine leere Zuckertüte im Kamin nach oben fliegt. Aus
Papier und Stoff konstruierten sie eine ähnliche, allerdings erheblich
größere Hülle und erfanden damit den Heißluftballon, der mit einem offenen
Feuer aus Stroh und Wolle tatsächlich zwei Passagiere in die Höhe
transportierte.
Der erste
Aufstieg soll allerdings nur zehn Minuten gedauert haben. Heute fährt man
eine gute Stunde, je nach Wetter und Landemöglichkeit.
Wir können also in aller
Ruhe nach unten schauen auf das schneebedeckte Hohenzollernland. Dahlhoff
gibt ein paar Sekunden Gas, das donnernd verbrennt.
Ab und an
muss er nachheizen, um den Ballon auf ungefähr 300 Meter Höhe zu halten.
Ansonsten gleitet unser Gefährt nahezu geräuschlos dahin.
Etwas mehr als 100000
Mark kostete die Beschaffung der kompletten Ausrüstung, zu der neben dem
Ballon aus Nylon mit Innenbeschichtung ein Korb aus Peddigrohr, ein
Gasbrenner, Funkgeräte und der Ballonanhänger für den Transport gehören.
Der Ballon faßt 3000 Kubikmeter Propangas, ist 28 Meter hoch und hat einen
Durchmesser von 18 Metern. Im Korb, der 1.10 Meter hoch ist, können neben
dem Piloten noch sechs Gäste mitfahren. Die vier mitgeführten Gasflaschen
reichen für über zwei Stunden Fahrzeit.
Oberstes Gebot der Ballonfahrt ist die Sicherheit. Keinen Start gibt es bei
starkem Wind, Regen, Gewitter oder schlechter Sicht. Vor jedem Start wird
der Wetterbericht vom Wetteramt Stuttgart eingeholt. Hinzu kommen
behördliche Auflagen, die zu beachten und einzuhalten sind.
Die Mindestflughöhe sind 150 Meter, 3000 Meter das Maximum und die
Regelfahrthöhe sind 1000 Meter. Hier hat man dann auch optimale Sicht, die
bei klarem Winterwetter bis in die Alpen reicht.
Dies war an diesem super Januartag der Fall. Der leichte Wind mit ca. 20
km/h trug uns über Hart, Trillfingen, Haigerloch, übers Eyachtal an Bad
Imnau vorbei nach Empfingen in Richtung Betra.
Wir überquerten das Neckartal und genossen einen schönen Blick auf
Dettingen, Horb und auf der anderen Seite auf das Mühlbachtal mit der
markanten Autobahnbrücke und im Hintergrund das Kloster
Kirchberg. Gar die Alpen mit dem markanten Säntis in der Schweiz, die
Höhen des Schwarzwaldes und dahinter die Vogesen konnten bei guter Fernsicht
erkannt werden. Es war einfach beeindruckend und die Zeit verging im
wahrsten Sinne wie im Flug.
Zwischen Dürrenmettstetten und Oberiflingen, nahe der beiden Windkrafträder,
findet Dahlhoff einen geeigneten Landeplatz.
Unten sehen wir den Jeep
des Teams und weitere Begleitfahrzeuge, die dem Ballon auf dem Boden folgen,
um uns an der Landestelle abzuholen und zurück zum Auto am Startort zu
fahren. Kein Problem, wenn uns der Rest des Teams mal aus dem Auge verliert:
Per Funk gibt Dahlhoff auf der Ballonfahrerfrequenz (122,25 Megahertz)
durch, wo wir gerade sind. Der Korb setzte nach eineinhalb Stunden wieder
sanft auf schneebedecktem Ackerland auf. Danach rüsteten wir den Ballon auf
dem kristallgefrorenen Schneefeld gemeinsam ab und verstauten ihn im
Anhänger.
Noch war das Abenteuer nicht vorbei. Gerade wieder am Ausgangspunkt
angekommen, weiht uns Dahlhoff nach dem Abendessen im Gasthof „Rose“ in die
Rituale der Ballonfahrer ein. «Nun soll uns jetzt das Feuer taufen, zum
Löschen wird der Sekt einlaufen», müssen wir ihm nachsprechen, während er
ein Büschel Haare verkokelt und uns einen Schluck Sekt in den Nacken kippt.
Auf
jeden warte nach seiner ersten Tour die Taufe, erklärt er uns, während wir
anstoßen.
Wir bekommen auch gleich
einen neuen Namen verpasst: Der Fotograf heißt nun Knipser Gunar – edler
Foto-Graf vom Eyachtal und ein weiblicher Passagier
wurde zur lieblich süßen Petra, von den flotten Winden schwebende
Tannenzapfen - Prinzession im fehlenden Abendrot getauft.
Ballonfahren ist nämlich in jeder Hinsicht ein erhebendes Erlebnis: Mit
diesem Tag sind wir nicht nur in die Lüfte, sondern auch in den Stand des
Ballonfahreradels aufgestiegen.
Weitere Infos
unter
www.ballonfahrer.de