Die
Proben zum "ledigen Bauplatz" laufen auf Hochtouren
Laienschauspielkunst gewinnt immer mehr an Beliebtheit.
Bauerntheater Trillfingen als positives Beispiel
Erlös für wohltätigen Zweck

Einige Wochen nach den
Sommerferien bleiben den Laiendarstellern des Trillfinger Bauerntheaters zur
Vorbereitung des Lustspiels "Der ledige Bauplatz" noch Zeit, bis sich der
Vorhang beim Kirbefest des Männergesangvereins am 2. Oktoberwochenende im
Vereinsheim das erste Mal öffnet. Wer bereits Theater gespielt hat weiß,
dass der zeitliche Aufwand für das Theaterspielhobby enorm ist. Bedingt
durch Schichtarbeit, die nur 14-tägiges Proben zulässt, vergehen rund 8
Monate von der Auswahl des Theaterstückes bis zur ersten Aufführung. Eine
lange Zeit.
Nun ja, eben nicht viel anders als bei "den Großen". Mit dem kleinen
Unterschied, dass "Profi-Schauspieler" die monetäre Entlohnung des Erlernten
erwarten und die Proben nicht in Ihrer Freizeit stattfinden.
Es gehören schon eine ganze Menge Enthusiasmus, Elan, eine große Portion
Disziplin und natürlich viel Liebe zum Laientheater dazu, um während der
warmen Jahreszeit an den langen Abenden die Aufführungen vorzubereiten. Die
Trillfinger Gruppe kann auf ausverkaufte Vorstellungen mit einem
begeisterten Publikum zurückblicken. Natürlich will man auch in diesem Jahr
das Beste geben und sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen.

Der Leiter und Regisseur Walter Renz hatte nach der Fasnet die Aufgabe,
mehrere Skripte von verschiedenen Verlagen mit unterschiedlichen
Theaterstücken auszusuchen. Dabei musste die Auswahl auf die Anzahl der
Schauspieler und auf die Größe der Theatergruppe zugeschnitten sein. Meist
entscheidet man sich zu einem heiteren schwäbischen Stück, das auch beim
Publikum gut ankommt. Alle Stücke werden zunächst in der Gruppe angelesen.
Dies kann sich über mehrere Wochen hinziehen und am Ende dieser
Findungsphase steht schließlich das Theaterstück fest, welches dann ca. ein
halbes Jahr später zur Aufführung gebracht werden soll. Heuer ist es der
Dreiakter "Der ledige Bauplatz”.

Nun macht man sich Gedanken über das neue Bühnenbild.
Die ersten Vorstellungen werden zu Papier gebracht. Ein Treffen mit den
Bühnentechnikern, meist begabte Zimmerleute und Maler vom Ort, wird
vereinbart. Bei diesem Meeting stellt der Regisseur das Theaterstück
zunächst vor. Anschließend bespricht er mit ihnen den Entwurf des
Bühnenbildes. Man macht sich gemeinsam Gedanken, ob die Ideen auch
realisierbar sind. Es beginnt die Arbeitsphase für die Handwerker. Besonders
auf das Bühnenbild wird in Trillfingen großen Wert gelegt und mit viel Liebe
zum Detail erstellt. Es werden weder Kosten und Mühen gescheut. Die
Aufwendungen halten sich dadurch in Grenzen, dass die beteiligten Handwerker
das Material spendieren und die Arbeiten kostenlos ausführen. Die
Theaterspieler und einige begabte Sänger des Männergesangvereins
unterstützen die Arbeiten alljährlich.
Die Rollenverteilung steht
bevor. Beim Trillfinger Bauerntheater gibs hier keinerlei Probleme, da sich
die Gruppe bereits seit dem Jahre 1995 kennt und alljährlich ein
Theaterstück mit ähnlicher Rollenverteilung einstudiert. So werden die
Rollen nach Charaktere, Typ bzw. Alter verteilt. Von nun an heißt es üben,
üben, und nochmals üben....
Für jeden Akt setzt man sich Ecktermine – dann sollten die Texte und die
Szenenfolgen sitzen. Die Schauspieler nehmen sich zum Beispiel das gesamte
Stück textlich auf eine Musikcassette auf und lernen sie z.B. neben dem
Autofahren oder neben dem Bügeln her. Jeder lernt eben auf seine typische
Art.
Ein Probenplan mit ca. 20 Terminen wird erstellt.
Man trifft sich nun regelmäßig zu den Gesamtproben. Grundlegende Elemente
der Schauspielkunst wie “man darf das Publikum nicht angucken”, “man muss
ein selbstbewusstes und sicheres Auftreten haben”, “man muss laut sprechen,
so dass man auch noch im hintersten Winkel des Vereinsheims alles verstehen
kann” und “man muss deutlich sprechen”, haben die Laienschauspieler aufgrund
der jahrelangen Erfahrung bereits gut drauf.
Trotzdem müssen all diese Dinge alljährlich neu geübt werden. Da ist es
anfangs noch nicht ganz so schlimm, wenn die Schauspieler ihren Text noch
nicht perfekt beherrschen oder in Szenen von Aufführungen vergangener Jahre
rutschen. Wenn der Text einigermaßen sitzt, legt Walter Renz großen Wert auf
die Überzeugung, mit der gespielt wird. Er weist eindringlich darauf hin,
dass die Gestik und Mimik im Theater eine sehr große Rolle spielen. Und das
ist es, was den Schauspielern anfangs noch hin und wieder Probleme bereitet
- sie gehen auf der Bühne noch nicht aus sich heraus, stecken noch nicht in
ihren zu verkörpernden Rollen drin.
Aber es wird von Mal zu Mal besser.

Jede einzelne Szene wird -wenn notwendig- mehrere Male hintereinander
wiederholt, bis dann letztendlich alles passt - sowohl Gestik und Mimik, als
auch Stimmlage und die Lautstärke.
Bis jetzt läuft jedoch alles nach Plan. Bis zum Urlaub müssen alle den
kompletten Text auswendig können. Wer es nicht kann muß in den Ferien eben
nachsitzen.
Die meisten Requisiten trommeln die Akteure aus dem Bekanntenkreis zusammen.
Die Schauspieler suchen anhand der Beschreibungen im Textheft verschiedene
Kostümierungen aus. Von diesem wird dann bei einer Kostümprobe das Beste
zusammengestellt. Man legt sehr großen Wert darauf, dass sich die Akteure
auch in ihrer Garderobe wohlfühlen. Das ist allerdings nicht bei jeder Rolle
gewährleistet. Je nach Aufführungsstück müssen auch originelle Klamotten wie
z.B. frivol freche Klamotten einer Prostituierten getragen werden. Ungewohnt
für den Darsteller, aber tragbar.

Jetzt, wo das "Kostümproblem" gelöst ist und auch der Text schon
einigermaßen sitzt, geht es allmählich in die Endphase. Der Tag bis zur
Aufführung rückt unaufhaltsam näher. Der Regisseur sorgt nun dafür, dass die
Schauspieler sich auf der Bühne verkaufen können. Er weist noch einmal
eindringlich auf Mimik, Gestik und Stimme hin, und dass jeder seine Rolle
mit Überzeugung spielt.
Die Hauptprobe - das ist die erste Probe mit Licht und Toneffekten - ist
Ende September geplant. Bis dahin sollte im Normalfall das komplette
Bühnenbild stehen und die Schauspieler sollten in der Lage sein, das gesamte
Stück ohne Unterbrechung durchspielen zu können. Zum Premieretermin hin
werden mehrere Proben in engeren Zeitabständen nötig werden. Zwei Tage vor
der Erstaufführung ist die Generalprobe. Hier wird das Stück aufgeführt, als
wäre es die Premiere. Diese wird dann am 12. Oktober sein, die
Bewährungsprobe für alle Beteiligten, ihr Können unter Beweis zu stellen.
Mit dabei ist auch mit Maria Renz und Ute Bauer eine Souffleuse und eine
Maskenbildnerin. Letztere putzt die Laienschauspieler entsprechend ihrem
Rollencharakter und Alter heraus. Man staune was hierbei alles möglich ist.
Selbst die Schauspieler kommen ins Schwärmen.

Im Trillfinger Vereinsheim selbst müssen am Tage der Premiere die Stühle
(ca. 250 Stück) und Tische durch den Männergesangverein, der auch die
Bewirtung übernimmt, aufgestellt werden. Und am Abend, gegen 20 Uhr heißt es
dann: "Vorhang auf für den ledigen Bauplatz”....
Mit diesem humorvollen Schwank haben sich die Trillfinger Theaterspieler ein
Stück ausgesucht, das schon auf einigen Theaterbühnen der weiteren Umgebung
mit großem Erfolg aufgeführt und vom Publikum begeistert aufgenommen wurde.
Die Beliebtheit des Bauerntheater wuchs in den letzten Jahren
zunehmend. Gerade in den letzten beiden Jahren begeisterte die
Laienschauspieler mit dem “Loch en dr Wand" und dem “Schäferstündle".
Auch das neue Stück verspricht ein Lacherfolg zu werden, denn es ist
wiederum gespickt mit kräftigem schwäbischem Humor und viel Situationskomik.
Auftritte sind am 12. Oktober um 13.30 Uhr für Senioren sowie um 20 Uhr. Am
13. Oktober ist eine Wohltätigkeitsveranstaltung zu Gunsten von AMSEL um 19
Uhr geplant. Weitere Termine sind der 19. und 26. Oktober jeweils um 20 Uhr.
Karten sind im Vorverkauf bei der Volksbank und Sparkasse Trillfingen
erhältlich.

Zum Inhalt:
Die Familien von
Karl-Otto Hufnagel (Walter Renz) und Hugo Koch (Berndt Higi) haben ein
großes Problem: Ihre ledige "Tante Berta" (Connie Heim). Laut Testament
ihres Vaters muß eine der beiden Schwestern Berta so lange bei sich im Haus
behalten, bis diese einen Mann gefunden hat. Doch das ist nicht so einfach,
denn Berta liebt Bier, Schnaps und Zigarren mehr als Wasser, Seife oder gar
Arbeit. Und Männer sind für Berta sowieso nur ein lästiges Übel. Doch weder
Karola (Gabi Stehle), noch Mathilde (Brigitte Rauscher) haben große
Interesse, ihre Schwester Berta bei sich aufzunehmen. Karl-Ottos Sohn, Kurt
(Bernhard Hellstern) ist Berta sowieso ein Dorn im Auge, da sie die große
Stube belegt und er mit seiner Frau Irmi (Dorothee Gnant) in der kleinen
Kammer schlafen muß. Nach zähen und mit schlagkräftigen Argumenten geführten
Verhandlungen faßt die Verwandtschaft schließlich den Entschluß, die Sache
endgültig zu regeln und gibt eine Heiratsanzeige auf. Und da mit Berta nun
wirklich kein Staat zu machen ist, gibt es als Mitgift einen Bauplatz.
Dieser zieht und bald melden sich die ersten Interessenten: So z.B. Helmut
Birnstengel (Ralf Möllhoff), der weniger von Tante Berta aber umso mehr vom
Bauplatz begeistert ist. Die Brautschau läuft natürlich nicht ohne Probleme,
Verwicklungen und Verwechslungen ab, was vor allem der neue Aushilfspfarrer
(Rainer Wimmer) zu spüren bekommt. Dieser unterschreibt schließlich, im
guten Glauben, ein Zimmer zu mieten, ahnungslos einen
Eheverpflichtungsvertrag. Aber kaum ist Berta unter größten Anstrengungen an
den Mann gebracht, geschieht etwas völlig Unvorhersehbares: Der Nachbar
Franz (Michael Bauer) entdeckt auf Bertas Bauplatz eine Ölquelle und dann
gewinnt Berta auch noch im Lotto. Jetzt ist guter Rat teuer und Karl-Otto
und Hugo versuchen alles, um die "liebe Berta" und ihr "schönes Geld" zu
halten. Doch keiner hat mit Berta gerechnet, die nun selbst einen
Heiratskandidaten präsentiert: Scheich Abdul el Aral, einen Ölmulti. Die
Verwandten laufen zur Hochform auf und versuchen, mit allen erlaubten
Mitteln, zu retten, was zu retten ist. Ob es schließlich für alle ein
Happy-End gibt, bleibt abzuwarten ...

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Nachbericht der Aufführung