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Auf dem Land schätzt man die Qualität der hausgemachten Blasmusik

Musikvereine haben eine langjährige Tradition und prägen das kulturelle Leben einer Gemeinde

 
Spaß und Gaudi spiegeln ein gute Kameradschaft wider. Der Zusammenhalt unter den Bierlinger Musikanten (hier das Posaunenregister) ist vorbildlich.

 Fast allerorts gibt es Musikkapellen und Laienmusikgruppen, die sich sehr um die musikalische Förderung verdient gemacht haben. Was die Blasmusik in Baden-Württemberg betrifft, liegt ohne Zweifel der Hauptverdienst bei den Vereinen und Verbänden. Die Musikvereine sind besonders auf dem Land meist sehr aktiv und werben ihre neuen aktiven Mitglieder im Freundeskreis oder in den allgemeinbildenden Schulen. Ein großer Teil der jungen Instrumentalisten erhält qualifizierten Instrumentalunterricht an Musikschulen, doch auch die Ausbildung durch vereinseigene Musiker findet man immer noch sehr häufig. Eine positives Beispiel hierfür ist der Musikverein Starzach-Bierlingen. In der rund 1050 Seelengemeinde genießt die volkstümliche Blasmusik einen hohen Stellenwert und eine 80-jährige Tradition. 57 aktive Mitglieder und 82 Jugendliche unter 18 Jahren sind derzeit im Musikverein gefordert und treffen sich wöchentlich zu den Proben und Auftritten. Einen wahren Boom erlebt das Blasorchester in Sachen Nachwuchspflege: 75 Jungmusikanten werden aktuell von 10 qualifizierten Ausbildungslehrern im Einzel- und Gruppenunterricht ausgebildet. 

In der Jugendkapelle stehen 41 Zöglinge.davon haben 13 Nachwuchsmusiker bereits den Sprung in die Aktivenkapelle geschafft. Die Ausbildung und die Anschaffung von Instrumenten und Uniformen verursacht alljährlich die meisten Kosten in den Musikvereinen. Um dies zu finanzieren sind die Musikkapellen auf Spenden, Ausbildungsbeteiligungen der Eltern und eigene Festveranstaltungen angewiesen.


Im schmucken Bierlinger Musikerheim in der Ortsmitte bereiten sich die Musiker auf ihre Auftritte vor. Mit großem ehrenamtlichem Engagement der Mitglieder und finanzieller Unterstützung der Gemeinde wurde das neue Domizil in den 90-er Jahren verwirklicht und im Jahre 1997 seiner Bestimmung übergeben.

So auch im ländlichen Bierlingen, wo der Vereinsausschuss um den Vorsitzenden Volker Trost seit Monaten das 80. Geburtstagsfest über das 3. Maiwochenende dieses Jahres vorbereitet.

Musikalische Unterstützung erfahren die Vereine durch die von den Verbänden organisierten und durchgeführten Lehrgänge wie z.B. das Jung-Musiker-Leistungs-Abzeichen. Eine vom Verband unterstützte Zusammenarbeit zwischen Schulen, Vereinen, Musikschulen, Gemeinden und Musikhochschulen existiert leider nicht.

Der Bund Deutscher Blasmusikverbände fördert eine Musik, deren Gebrauchswerte für den Menschen dieser Gesellschaft und damit für das Funktionieren des  Gemeinwesens von Wichtigkeit sind. Blasmusik erstreckt sich heute auf alle Schichten der Bevölkerung, sie wirkt schichtenübergreifend und vermag Außenseiter und Randgruppen zu integrieren. Das Gruppenerlebnis gemeinsamen Musizierens fördert das Demokratieverständnis. Dem Blasmusiker stehen von der Marsch- und Freiluftmusik (Unterhaltungsmusik) bis zur konzertanten (Ernsten) Musik, alle musikalischen Gattungen offen.


Die richtige Note trifft man nicht auf Anhieb. Probeabend und Hausaufgaben strapazieren das Zeitbudget: Unterm Strich investiert jeder Musiker pro Jahr gute zwei Arbeitsmonate in das Hobby.

Die Blasmusik ist zusammen mit anderen Amateurmusikaktivitäten im Chor- und Instrumentalbereich bestimmender Kulturfaktor vorzüglich in jenen Städten und Gemeinden, die abseits der Zentren des professionellen Konzert- und Musiktheaterbetriebes liegen. Sie wirkt dem passiven Musikkonsum entgegen, fördert das Ausdrucksvermögen des einzelnen Menschen und ordnet ihn doch zugleich - eigenverantwortlich - in die Gemeinschaft des Orchesters ein. Durch Blasmusik werden heute mehr Menschen dem aktiven Musizieren zugeführt als durch irgend eine andere Institution des privaten oder öffentlichen Lebens.
Der Blasmusikverband als Dachverband aller Mitgliedsmusikvereine im Landkreis fördert die Musikvereine und damit die Blasmusik durch das Angebot von Dirigentenschulungen, Lehrgängen für das Jung-Musiker-Leistungs-Abzeichen (JMLA in Bronze, Silber & Gold), Wertungsspielen für Jugendblasorchester, Ensembles und Blasorchester, Fortbildungslehrgängen zum Stimmführer, Jugendausbilder oder Dirigenten. Er veranstaltet alljährlich eine Jugendleitertagung - zu der alle Jugendleiter, Jugendvertreter bzw. Jugendausbilder der Mitgliedsvereine eingeladen sind - auf der Informationen untereinander ausgetauscht werden und zu musikpädagogischen Themen wie z.B. Motivation, szenische Umsetzung eines Musikstückes u.ä., Vorträge mit eingearbeiteten praktischen Phasen angeboten werden. Weiterhin werden auf diesen Jugendleitertagungen rechtliche/finanzpolitische Hilfen und Tipps für die Jugendarbeit in den Musikvereinen gegeben. Der jeweilige Verband hält meist ein eigenes Verbands-Jugend-Blasorchester, das seine Musiker aus den Reihen der Mitgliedsvereine rekrutiert und jährliche Konzert mit hohem Anspruch (Konzertante Blasmusik, überwiegend originale Blasmusik) veranstaltet.

Die Musikvereine wollen in erster Linie, die Musikkultur in ihrer Umgebung fördern. Sie wollen ihren Beitrag zum Gemeindeleben leisten und Festlichkeiten auf Gemeindeebene den passenden Rahmen verleihen. Sie wollen aber auch zeigen, dass ihre musikalische Arbeit Spass macht und Musizieren als Hobby ein abwechslungsreiches und auch erholsames Freizeitvergnügen ist.
Die Zuhörer bei Musikfesten, Straßenfesten, Jubiläen und dergleichen sollen gut unterhalten werden aber auch den Lohn eines Musikers - den Applaus -zahlen. So ist das Musizieren in Vereinen - obwohl es nur ein laienhaftes Musizieren darstellt - immer auch ein gutes Mittel sein Selbstwertgefühl zu steigern, selbst noch im Erwachsenenalter. Kein Musiker kann verleugnen, dass ihm das Musizieren mehr Spass macht, wenn das Publikum mitmacht.

Hauptziel der Vereine ist also das kulturelle Leben einer Gemeinde zu prägen und zu gestalten. Um diesen Auftrag ausführen zu können, müssen die Vereine natürlich dafür sorgen, dass ihre Orchester spielfähig sind. D.h. dass das Klangerlebnis eines Blasorchesters nicht nur aus Holzblasinstrumenten oder nur aus Blechblasinstrumenten bestehen kann, sondern dass allesamt mit dem Schlagzeug zusammenwirken müssen. Nun haben die Musikvereine die selben Probleme mit dem Nachwuchs wie alle anderen Gemeinnützigen Vereine - von Nichts kommt Nichts - sie müssen für ausreichenden und vor allem qualitativ guten Nachwuchs sorgen.

 
Noch ist kein Meister vom Himmel gefallen - dieses Sprichwort gilt auch für die Hobbymusiker. Einzelne schwierige Passagen müssen nach Feierabend zuhause geübt werden.
Jung und Alt harmonieren im Bierlinger Musikverein "Eintracht".

Demnach ist das Ziel einer guten musikalischen Ausbildung und Förderung der Kinder und Jugendlichen sogar noch wichtiger als das kulturelle Leben einer Gemeinde zu verschönern. Da die Vereine sich nicht wie die professionellen Musikorchester, ihre Musiker kaufen bzw. bezahlen können, müssen sie auf dem Gebiet der Motivation und Werbung enorme Anstrengungen unternehmen. Die Ausbildung junger Menschen die ein Musikinstrument erlernen wollen muss qualitativ hochwertig sein, um den heutigen Ansprüchen der Eltern, der Kinder aber auch der Blasmusik selbst, gerecht zu werden. So ist es kein Wunder, dass viele Vereine von der Laieninstrumentalausbildung durch vereinseigene Laienmusiker abgekommen sind und die Instrumentalausbildung heute durch qualifizierte Fachkräfte der Musikschulen durchführen lassen. Wichtig bleibt hier der enge Kontakt zu den einzelnen Fachlehrern, damit man jederzeit darüber Bescheid weiß wann und ob man seine jungen Musiker in eines der vorhandenen Vereinsorchester berufen bzw. eingliedern kann.

Musikvereine unterhalten Publikum, wirken dem passiven Musikkonsum entgegen, indem sie das Ausdrucksvermögen des einzelnen Menschen durch das aktive Musizieren fördern und zugleich eigenverantwortlich in die Gemeinschaft seiner Orchester einordnen. Somit gewinnt ein junger Mensch, der ein Instrument spielen lernt und beim Musikverein musiziert ein großes Maß an Selbstwertgefühl, sozialer Integration und Verantwortung.

 
Traditionspflege auf dem Land hat viele Gesichter: Das forsche Engagement der Jugend und der Hang der Älteren, alles Überkommene zu bewahren, führt zu machen Kompromissen in der Literaturauswahl, Veranstaltungs- und Freizeitgestaltung.

 INFO

Volksmusik, vokal (Volkslied) oder instrumental (Volkstanz), ist die ausgeführte Musik, die aus der Kultur der Unterklassen (Bauern, Handwerker, Arbeiter) heraus entstanden ist, und noch entsteht und in Gebrauch, Inhalt und Form deren Interessen und Bedürfnisse ausdrückt. Sie wird in der Regel von Laien ausgeführt und ist meist nicht schriftlich fixiert. Durch die mündliche Überlieferung und durch die Vermittlung (durch Nachahmung) entstehen willkürliche und unwillkürliche Veränderungen in der Musik.

Die Volksmusik wird von ihren naiven Vertretern nicht bewertet, sondern verwendet. Die Pflege bewertet Volksmusik als die allein selig machende Musikgattung und ist entsprechend missionarisch tätig.

Authentische Volksmusik hat ihre Rolle bei Arbeit, Brauch und Geselligkeit.

Pflege löst die Musik aus diesen Zusammenhängen und präsentiert sie auf der Bühne (z.B. diverse Auftritte, die zumeist aus ihrer „natürlichen" Umgebung gerissen sind).

Bei der authentischen Volksmusik liegt das wirkliche Motiv zum Musizieren in der Notwendigkeit des musizierenden, tanzenden, singenden Menschen.

Die Volksmusikpflege stellt die Musik in den Raum und es ist jederzeit möglich, die gute alte Zeit oder die heile Welt frei zu assoziieren. Das führt mitunter dazu, daß die eigentliche Musik nicht mehr zählt. Sinnlose, klischeehafte Musik stört offenbar niemanden, wenn der äußere Schein durch ordentliche Tracht und selbiges Auftreten mit ländlichem Instrumentarium gewährt bleibt.

In der authentischen Volksmusik gehören Musizierende und Publikum zusammen. Aber der Musikant ist ein Spezialist, der bezahlt wird. Er pflegt dieses „Handwerk" nicht nur auch idealistischen Gründen sondern es ist sein künstlerischer Ausdruck und sein gesellschaftlicher Kontakt.


Links:
Die Panikband aus Bierlingen stellt sich vor

Zum Festprogramm 80 Jahre Musikverein Bierlingen vom 16.-19. Mai 2003
 

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Aktualisierungsdatum  11.09.2011
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